Zweiter Jobcenter-Besuch, Jugendmigrationsdienst und wie es für #Majd weiter geht. #Flüchtlinge #München


Fortsetzung Jobcenter München – „Anerkannte Flüchtlinge: Prozedere mit Jobcenter“

 

Zweiter Termin beim Jobcenter München

„Anerkannte Flüchtlinge – Prozedere mit Jobcenter“

 

Vorweg: Wieder bei der Sachbearbeiterin im Jobcenter München gewesen, die letztes Mal recht barsch und pampig war. Dieses Mal war das Gespräch wesentlich besser. Es war sachlich, der Informationsgehalt war gut und die Dame war auf jeden Fall sehr viel freundlicher wie das letzte Mal. Einige Unterlagen werden für das Jobcenter noch benötigt (es sind aber Kleinigkeiten, die gut beigebracht werden können). Diese Unterlagen werden wir nächste Woche nachreichen.

Gleich danach war ein längerer Termin bei einem weiteren Sachbearbeiter. Ein allgemeiner Beratungstermin bei dem es hauptsächlich um Sprache, Bildung, Integration und BAMF und um die Ziele für Majd ging. Mein Schützling wird nun bei einem „Jungendmigrationsdienst“ angemeldet und wird hierfür in den nächsten Tagen eine Einladung bekommen.

Welche Arbeit macht der „Jungendmigrationsdienst“

Integrationsförderplanung mit dem Verfahren des Case Managements in den Jugendmigrationsdiensten
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http://78.46.45.52/userfiles/File/JMD_Rahmenkonzept_Nr1_IntegrFoerderPlan_Final.pdf

Ergebnisse von heute:

Uns wurde angeraten, daß wir den von Majd selbst bezahlten Deutsch-Kurs bei der Volkshochschule stornieren sollen.

  1. Bekommt Majd mit dem sogenannten „München Pass“ bei der Volkshochschule München 50 Prozent Rabatt. Den „München Pass“ bekommt er beim nächsten Besuch vom Jobcenter ausgestellt. 1 Passbild ist erforderlich, das wir nächstes Mal mitbringen.
  2. Der „Jugendmigrationsdienst“ wird prüfen für welchen „Deutsch-Kurs“ und für welche „Integrationskurse“ sowie „Orientierungskurs“ Majd geeignet ist – und dieser kümmert sich dann auch um die Antragstellung (z.B. beim „Bamf“). Ausserdem u.a. zuständig für „Antragstellung“, z.B. für Fahrtkostenerstattung, wenn man Deutsch-Kurs besucht
  3. Der Integrationsdienst überprüft auch, ob das Abiturzeugnis von Majd in Deutschland Gültigkeit hat (das nennt sich „Anerkennungsverfahren für Abiturzeugnis“). Es könnte möglich sein, daß das Abiturzeugnis von Majd nicht die gleiche Wertstellung in Deutschland hat. Dies würde bedeuten, daß sein Abitur nur als „Mittlere Reife“ in Deutschland anerkannt wird. Wäre dem so, dann könnte das Abitur hier in Deutschland nachgeholt werden.
  4. Selbstverständlich ist es auch möglich den „Jugendinformationsdienst“ auszuklammern – dann muss man der Flüchtling diese Anträge selbst stellen. Wir haben uns für den Jugendinformationsdienst entschieden. Für mich erleichtert das die „Arbeit“ ungemein, ich müsste mich einlesen, mich genau informieren und mir die Kenntnisse aneignen. Ich bin froh, daß es diesen Dienst gibt – so hoffe ich, daß die Einiges übernehmen und viel Behördenkram, den ich für Majd bisher gemacht habe, für mich wegfällt. In jedem Fall sehe ich es als Entlastung an.
  5. Um eine „Ausbildung“ zu beginnen ist der Deutsch-Kurs mit Abschluss „B2“ erforderlich
  6. Für ein „Studium“ wird beim Deutsch-Kurs das Level „C1“  benötigt.
  7. Bei den Deutsch-Kursen (Integrationskurse) gibt es verschiedene Module und auch die Zeiten, wie lange diese Kurse dauern sind unterschiedlich. (Der eine lernt schneller, der andere langsamer). Es gibt Kurse, die dauern 3 Monate, es gibt aber auch Kurse, die 6 Monate und länger dauern (so habe ich es verstanden).

Alles in allem war es ein etwas verwirrendes aber dennoch sehr informatives Gespräch. Ich muss gestehen, daß ich positiv überrascht war.

Majd hat leider wenig verstanden. Der Sachbearbeiter hat sehr schnell gesprochen. Nach dem Termin habe Majd so gut ich konnte alles erklärt. Ich habe Majd auch erklärt, welche Nachteile/Vorteile es hat, wenn der Deutsch-Kurs (der von ihm selbst bezahlt wurde) nun storniert oder nicht storniert wird. Wir haben uns zusammengesetzt und über alles ausführlich gesprochen. Ich habe versucht die Knackpunkte zu erklären.

Termine für einen Flüchtling müssen ein Horror sein. Formulare, Gespräche … alles auf deutsch. Dolmetscher wird es wohl geben – aber klären die auch auf, welche Rechte ein Flüchtling hat? Ich weiß es nicht.

Meine Erkenntnis nach wie vor: Ein Flüchtling ohne Begleitung auf Ämter und Behörden ist verloren.

Anschliessend waren wir gleich noch in der Stadtbücherei München und haben Majd angemeldet. 10 Euro Gebühr für 1 Jahr (wenn man nachweisen kann, daß man beim Jobcenter angemeldet ist). Es gibt einen wunderbaren Online-Dienst bei der Stadtbücherei und auch einen internationalen Pool von Zeitungen und Zeitschriften, den man dann auch kostenlos nutzen kann.

Dann nach Hause und mit Majd das erste Mal den Bürokram am Nachmittag erledigt (Damit er den auch einmal sieht und mitbekommt. Das mit dem Bürokram, schreiben, ablegen … mit Einlesen, Nachfragen, Suchen, Telefonieren geht nun schon eine Weile. Und so ein junger Mensch muss schon auch erstmal begreifen, auf was es im „Bürokratie-Deutschland“ ankommt ^^).

Die nächsten Tage steht der Arzt-Besuch an. Das Knie von Majd macht mir ein bisschen Angst. Er hat sich bei einem Fussballspiel schwer am Knie verletzt. Ein Fussball-Gegner sprang ihm ins Knie. Der Notarzt brachte Majd in die Klinik. Dort musste er einige Tage bleiben.  Seither viel Krankengymnastik. Der Unfall passierte Anfang September – und sooo viel besser ist das Knie bisher noch nicht wirklich. Kaum, daß er Treppen steigen kann.

Also: Morgen Termin beim Orthopäden. Zweitmeinung schadet nicht und ab Donnerstag weiter Krankengymnastik. Dann Schadensmeldung ausfüllen … Versicherungskram.

Ein „Ende“ ist nicht in Sicht 😉

Und es ist wunderbar mit Majd … Ein sehr angenehmer, ruhiger Junge, mit vielen Fragen, viel Dankbarkeit – und besonders freue ich mich über sein Lächeln. Die Vertrauensbasis ist wunderschön. Man glaubt gar nicht wieviel man zurück bekommt, wenn man hilft .. Probiert es aus!

Majd stellt viele Fragen zum Leben in Deutschland. Vieles ist sicher schwer verständlich für ihn. Oft stellt sich auch mir die Frage, warum das oder jenes genau so ist in Deutschland. Der Junge fordert mich ganz schön. Der Spass bleibt nicht auf der Strecke. Wir lachen oft. Sehr! 🙂

Es kommen dann Fragen, wie z.B.: Was bedeutet „ziemlich“. (Majd: Ich fragte meine Deutsch-Lehrerin und die sagt, daß das Wort „ziemlich“ nicht wichtig ist). Und ich erkläre ihm dann, daß das Wort „ziemlich“, ziemlich wichtig sein kann. Umschreibe, erkläre. Eigentlich den ganzen Tag, wenn wir zusammen sind. So ein junger Mensch mit 20 Jahren hat viel zu lernen.

Termine und Treffpunkte auch so ein Thema. Treffpunkt „Ostbahnhof“ und Majd landet dann am „Ostfriedhof“. Nun … beides am Ende mit „hof“. Da kann es schon zu Missverständnisse kommen. Auch ich lerne. 😉

Ich bin am Abend oft völlig platt, ausgepowert und sehr müde – und falle ins Bett.
Trotzdem ist es sehr schön zu helfen. Ich mache es sehr gerne für ihn.

Was wäre wohl, wenn niemand helfen würde?

Update folgt. Sicher ^^

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